
Bonn, 31. Januar 2012
Arbeitsmarkt bleibt "Zwei-Klassen-Gesellschaft"
Über eine halbe Million Menschen der Altersgruppe 55 bis 65 finden in Deutschland keine Beschäftigung. Nach Ansicht des Bundesgeschäftsführers des BDH Bundesverband Rehabilitation, Josef Bauer, führen die geringen Beschäftigungspotenziale älterer Menschen am Arbeitsmarkt zu einem Rentendesaster.
"Wenn es darum geht, älteren Menschen oder Menschen mit Handicap eine Beschäftigung zu vermitteln, scheitert Deutschland auf ganzer Linie. Vorurteile und Kostendiskussionen erschweren Vielen den Eintritt in den Arbeitsmarkt und schaffen Barrieren, wo keine sein dürfen. Und dies, obwohl erfolgreiche Unternehmen auf die individuelle Kompetenz erfahrener Mitarbeiter nicht verzichten können. Neben jahrelang erworbenen, beruflich-spezifischen Kenntnissen baut gerade der Mittelstand auf die soziale Kompetenz älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und sollte die Gelegenheit nutzen, in die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer zu investieren. Das Kapital der Wirtschaft liegt in den Belegschaften der Unternehmen. Es ist also sinnvoll, auch hier die Vielheit zu fördern."
Der BDH warnt angesichts der hohen Altersarbeitslosigkeit vor den Folgen des höheren Renteneintrittsalters. Viele, die keine Beschäftigung fänden, müssten sich so mit einer versteckten Rentenkürzung abfinden.
"Viele Unternehmen wünschen sich die Eingliederung Älterer in den Arbeitsmarkt und sind auch bereit, in Qualifikationsmaßnahmen zu investieren. Das Ergebnis einer erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik und der Integration Älterer oder von Menschen mit Handicap wäre eine richtungsweisende Kultur der Verantwortung. Wir müssen entscheiden, welchen Stellenwert wir dem Wohlstand älterer Menschen in Deutschland einräumen. Angesichts der geringen Beschäftigungschancen Älterer und behinderter Menschen und dem Boom prekärer Arbeitsverhältnisse mutiert die Rente mit 67 zu einem bedenklichen Rentenkürzungsprogramm", so Bauer.
zum SeitenanfangBonn, 9. Januar 2012
Nach Ansicht des BDH Bundesverband Rehabilitation wird der Mangel an Sonderpädagogen zu einer weiteren Spaltung des Schulwesens in Regel- und Sonderschulen führen. Nach wie vor besuchen etwa 80 Prozent der Kinder mit Handicap eine Sonderschule. Die Bundesvorsitzende des Sozialverbandes, Ilse Müller, wünscht sich für das Jahr 2012 ein deutliches Zeichen der Kultusminister zur Förderung der Inklusion:
"Erfolgreiche Inklusion beginnt erfahrungsgemäß bereits in Kindergärten und Schulen. Hier wird der Grundstein einer werteorientierten Gesellschaft gelegt und das Zukunftsmodell eines offenen Miteinander am ehesten zum Erfolg gebracht. Eine erfolgreiche Bildungspolitik muss sich daran messen lassen, ob es gelingt, Menschen mit Behinderungen in einer barrierefreien Umwelt faire Erfolgschancen im Leben zu bieten. Im schulischen Bereich mangelt es allerdings an sonderpädagogischen Fachlehrkräften. Dieser Missstand muss zügig über entsprechende Lehrangebote an Hochschulen behoben werden, denn der Inklusionsprozess wird ohne sonderpädagogisches Lehrpersonal an den Schulen scheitern."
Der Sozialverband fordert von Lehrkräften die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden, um den Anforderungen eines inkludierten Unterrichts gerecht zu werden. Chancengerechtigkeit ließe sich nach Ansicht des Verbandes in erster Linie im Bildungsbereich gewährleisten. Es dürfe niemand auf dem Weg zurückgelassen werden.
"Das Zusammenspiel aus sozialer Interaktion unter behinderten und nicht behinderten Schülern und konventioneller Wissensvermittlung wird in der Schule von Morgen selbstverständlich komplexer sein. Darauf müssen vor allem die Lehrkräfte vorbereitet sein, da sie den Löwenanteil der Ausbildung zu tragen haben. An dieser Stelle darf nicht gespart werden. Autonome Lebensgestaltung und die freie Entfaltung der Persönlichkeit besitzen höchste Priorität. Da müssen ausreichend Kapazitäten an den Schulen bereitstehen", so Ilse Müller.
zum SeitenanfangBonn, 15. Dezember 2011
Der Ausstieg des Bundes aus der Finanzierung des KfW - Programmes zur Förderung altersgerechten Wohnens wird von der Bundesvorsitzenden des BDH Bundesverband Rehabilitation, Ilse Müller, kritisiert. Die Bundesregierung bremse die Inklusionspolitik mit diesem Schritt massiv aus:
"Die Alterung unserer Gesellschaft bringt es mit sich, dass Wohnraumsanierungen, neben energetischen Aspekten, immer häufiger die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigen müssen. Öffentliche Investitionen in die Umsetzung barrierefreier Wohnungs- und Umfeldsanierungen sind unverzichtbare Hilfen zur Unterstützung einer wachsenden Zahl Betroffener. Der Ausstieg des Bundes aus der Finanzierung des KfW-Programmes verteuert nicht nur die drängenden Sanierungsprojekte. Der Ausstieg sendet einmal mehr das verheerende Signal einer "Vogel-Strauß-Politik", die die Leitlinien erfolgreicher Inklusion systematisch ausblendet. Bereits heute leben mehr als sechseinhalb Millionen Menschen in Deutschland mit einer körperlichen Behinderung. Die bislang etwa 60.000 sanierten Wohneinheiten können daher lediglich ein Anfang sein. Mit ihrem Ausstieg aus der Förderung bewegt sich die Bundesregierung auf inklusionspolitischem Crashkurs."
Sanierungsprojekte stützen die Bauwirtschaft und die angeschlossenen Branchen. Sie fördern damit die gesamtwirtschaftliche Stabilität, was angesichts wachsender ökonomischer Unsicherheiten nicht aus der Kalkulation ausgeblendet werden darf.
"Die Förderung barrierefreier Sanierung bietet auch ökonomisch großes Potenzial. Die Spezialisierung der Unternehmen und Handwerksbetriebe auf anspruchsvolles Kundenklientel bietet die Chance, neue Wertschöpfungsketten aufzubauen. Ein Ausbau des KfW-Programmes hätte damit konjunkturstabilisierende Wirkung, was angesichts einer Wachstumsprognose von nur noch 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für 2012 von Bedeutung wäre", so Ilse Müller weiter.
Info: Bis zum 16.12.2011 wurden KfW-Förderkredite bis zu 50.000 Euro je Wohneinheit zu günstigen Zinssätzen angeboten. Der Bund bezuschusste Projekte mit einer Förderung bis zu 5 % der förderfähigen Kosten und maximal 2.500,- EUR je Wohneinheit.
zum SeitenanfangBonn, 5. Dezember 2011
Ehrenamt ist Korrektiv verfehlter Sozialpolitik:
Die Institution des Ehrenamtes ist das Fundamentalprinzip des Miteinander und stärkt unsere Gesellschaft. Miteinander leben und füreinander einstehen - dies sind Grundprinzipen eines funktionsfähigen Gemeinwesens. Anlässlich des heutigen Tages des Ehrenamtes erklärt die Bundesvorsitzende des BDH Bundesverband Rehabilitation, Ilse Müller:
"Unser aller Dank gehört heute den Millionen Helferinnen und Helfern, insbesondere den ehrenamtlich Tätigen im BDH Bundesverband Rehabilitation, die sich uneigennützig für die Schwächeren unserer Gesellschaft stark machen. Mit ihrer Hilfe stärken sie unser Land, und dies nachhaltig und unbürokratisch. Ehrenamtliches Engagement bedeutet gelebtes Interesse für unsere Gemeinschaft. Nur das uneigennützige Arbeiten für die gute Sache lässt unser Land in der Gegenwart sozialpolitisch stabil und zukunftsfest erscheinen. Man kann mit Fug und Recht sagen, und dies muss nachdrücklich unterstrichen werden, dass die über 23 Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich in unserem Land an den verschiedensten Stellen persönlich einbringen, das wertvollste Fundament unseres Sozialwesens bilden. Ohne sie wären viele Einrichtungen, Hilfsangebote und Betreuungsdienste längst verschwunden. Das Ehrenamt ist das unverzichtbare Korrektiv verfehlter Sozialpolitik und der Unterfinanzierung notwendiger sozialer Einrichtungen. Die Kürzungen der Eingliederungshilfen auf dem Arbeitsmarkt waren das jüngste Beispiel destruktiver Sozialpolitik. Die Folgen werden auf lange Sicht für hundertausende Betroffene verheerend sein und können vielfach wieder nur durch ehrenamtliche Unterstützung aufgefangen werden."
Zu den Fakten: Mit ihrer außergewöhnlichen Leistung erarbeiten die etwa 23 Millionen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer allein in Deutschland eine jährliche Wertschöpfung von über 80 Milliarden Euro. Von der Jugendorganisation, dem Sportverein, über die Seelsorge bis hin zur Mitarbeit in Betreuungseinrichtungen - das unentgeltliche Engagement ist aufgrund der Unterfinanzierung sozialer Einrichtungen unverzichtbar für unsere Gesellschaft.
zum SeitenanfangBonn, 03. Dezember 2011
Inklusionsvorgaben als Chance nutzenDer Internationale Tag der Menschen mit Behinderung richtet den Fokus auf die politische Dimension der Konventionspolitik. In Deutschland leben 8,6 Millionen Menschen mit anerkannter Behinderung. Für Ilse Müller, Bundesvorsitzende des BDH Bundesverband Rehabilitation, bietet die UN-Behindertenrechtskonvention eine große Chance, gesellschaftliche Akzente zu setzen:
"Der 03. Dezember ist eine Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und auf die großen Umsetzungsschwierigkeiten der Konventionsvorgaben hinzuweisen. Es ist nötiger denn je, den Finger in die Wunde zu legen, denn wir erleben in unserer täglichen Beratungsarbeit mit unseren Mitgliedern nach wie vor große Defizite bei der Umsetzung der Inklusionsvorgaben. Dies gilt im besonderen Maße für das Bildungswesen, das vor allem durch Barrieren in den Köpfen der Menschen geprägt ist. Wer vermeiden will, dass die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention auf lange Sicht zu einem politischen Schönwetter-Thema werden, sollte den Mut besitzen, Bildungsstätten zu integrativen Mustereinrichtungen umzugestalten und damit ein Zeichen zu setzen. Der Verweis auf krisenbedingt knappe Finanzierungs- und Handlungsspielräume ist nicht akzeptabel, sind doch die Missstände in der Konventionspolitik zu offensichtlich.
Nach wie vor besuchen beispielsweise deutschlandweit nur etwa 20 Prozent der Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule, während die Konventionsvorgabe für ein inklusives Schulsystem eine Quote von 90 Prozent vorsieht. Wir erwarten von der Politik eine grundlegende Priorisierung der Inklusionsvorgaben, zum Wohle unserer Gesellschaft. Der Prozess erfolgreicher Inklusionspolitik beginnt mit der praktischen Umsetzung moderner Schulmodelle, die gemeinsames Lernen und Zusammenleben behinderter und nicht behinderter Menschen umsetzen. Unsere Gesellschaft sollte die Chance nicht verstreichen lassen, die Werte wie Toleranz und Akzeptanz bieten. Wechselseitig voneinander lernen - das ist ein Modell mit Zukunft. Wir alle sind aufgerufen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein selbstbestimmtes Leben Betroffener fördern, denn ein selbstbestimmtes Leben ist für uns ein unteilbares Menschenrecht."
zum Seitenanfang